Türkische Kindheiten
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Türkische Kindheiten

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Das Band "Türkische Kindheiten" bietet eine kluge Auswahl von Kindheitserinnerungen türkischer Prominente aus Politik, Kunst und Kultur. Wenn türkische Autoren und Autorinnen auf ihre Kindheit und Jugend vor der Gründung der neuen Türkei zurückblicken, erzählen sie von einer Welt, die stärkere Umbrüche erfahren hat als die meisten Teile Südosteuropas und des Nahen Ostens. Aus den Erinnerungen mehrerer Generationen lässt sich ein interessantes, dennoch realistisches Bild des späten Osmanischen Reiches und der im Entstehen begriffenen Türkischen Republik (1923) lebendig und leidenschaftlich rekonstruieren. Die Lebenswelten der Autorinnen und Autoren sind private, aber dennoch getreue Abbildungen der unvergleichlich bunten Gesellschaft - bestehend aus vielen Nationen und religiösen Gruppen - der Türkei.

Prolog. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Wenn türkische Autoren und Autorinnen auf ihre Kindheit und Jugend vor der Gründung der neuen Türkei zurückblicken, erzählen sie von einer Welt, die stärkere Umbrüche erfahren hat als die meisten Teile Südosteuropas und des Nahen Ostens. Der Politiker und Publizist Ali Kemal schreibt zu Beginn des 20. Jahrhunderts: „Vor vierzig Jahren [also etwa um 1870] war Istanbul völlig anders.“ Die Juristin Süreyya Awaowlu sagt ähnliches über die neue Hauptstadt: „Es ist unmöglich, sich das Ankara von damals [nämlich in den 1920er Jahren] heute noch vorzustellen.“ Tatsächlich sind die in diesem Buch versammelten Erinnerungen an Kindheit und Jugend in der alten Türkei farbiger als diese Sätze vermuten lassen, auch wenn der literarische Anspruch in den ausgewählten Kapiteln von Autobiographien hinter die Schilderung von Lebensläufen zurücktritt. Die Berichte reichen von der Regierungszeit des Sultan Abdülaziz (1861-1876) bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts. Trotz beachtlicher Reformanstrengungen nach westlichen Vorbildern erlitt das Osmanische Reich in diesen Dekaden große territoriale Verluste. Nach der Aufgabe fast aller europäischen Provinzen in den Balkankriegen (1912/1913) trat es 1914 an der Seite der Mittelmächte in den Weltkrieg ein. Der nach der vollständigen Niederlage von den Siegermächten diktierte Frieden von Sèvres (1920) wurde von der Sultansregierung unterzeichnet, aber von Mustafa Kemal (Atatürk, 1881-1938) und seinen Mitstreitern im anatolischen Widerstand zurückgewiesen. Die Kindheit der Mehrzahl unserer Autoren und Autorinnen endete vor dem historischen Sieg der Türken über das griechische Invasionsheer und vor der Ausrufung der Republik Türkei (1923). Allein der Auszug aus der Autobiographie der als „Russlandtürkin“ geborenen Süreyya Awaowlu reicht bis in ihre Hochschuljahre und erste Berufserfahrungen als Rechtsreferendarin in Ankara (1924/25). So wird eine Brücke in die Zeit der jungen Republik aus der Sicht einer glühenden Patriotin und Reformerin geschlagen. Fast alle unserer Autoren schrieben ihre Rückblicke im fortgeschrittenen Alter. Eine Ausnahme ist der 1922 zu Tode gekommene Ali Kemal, der seine Erinnerungen schon 1914 in einer Zeitschrift veröffentlichte. Als junge Erwachsene wurden die meisten durch die beispiellose Kulturrevolution der folgenden Jahrzehnte geprägt. Sie sind Zeitzeugen für die Entwicklungen in der Literatur, im Journalismus, im Film und im Theater, auch wenn diese Themen in den Kindheitskapiteln nicht immer in den Vordergrund rücken. Fünf unserer Autoren sind in Istanbul aufgewachsen, die übrigen in Südosteuropa (davon zwei in Edirne, einer in Makedonien) und in Zentral- bzw. Ostanatolien (jeweils einer in Niğde, Malatya und Diyarbakir). Bei der Auswahl dieser Texte wurde Wert auf eine Streuung von Generationen, Geschlechtern, Orten und Laufbahnen gelegt. Die meisten Verfasser und Verfasserinnen erweitern ihre Erinnerungen zum Familiengemälde. Mehrere zeichnen eindrucksvolle, zum Teil sehr ausführliche Porträts ihrer Väter (wie Ali Kemal, Muhsin Ertuğrul und Süreyya Ağaoğlu). Äevket Süreyya Aydemir beschreibt seine Mutter als energische Frau, die ihrem Mann Kenntnisse im Lesen und Schreiben voraus hatte. Eindrucksvoll stellt Cahit Uquk die unterschiedlichen Lebenswelten ihrer Mutter Hadiye vor, die sich nach Jahren im Westen des Landes im weit im Osten gelegenen Dienstort ihres Mannes ohne Zögern integriert: „Das Leben in ihrem Haus glich weder ihrem vorherigen Leben in Balikesir noch dem in Istanbul oder Saloniki. Hadiye hatte zwischen diese unterschiedlichen Leben einen scharfen Strich gezogen und hielt sie völlig auseinander. Sie machte viele Handarbeiten und fertigte ihren Kindern Strickjacken und Strümpfe für den Winter an. Sie dachte nicht daran, wie früher in Saloniki, Istanbul oder auch in Balikesir Wolle auf dem Markt zu kaufen.“ Mîna Urgans ganz anders verfasste Mutter wird als eigenwillige Vertreterin der hauchdünnen, quasi frankophonen osmanischen Bourgeoisie geschildert. Der Ruin der Familie durch ihre Verschwendungssucht wird von der Tochter kühl geschildert. Zekeriya Sertel hatte das Unglück, mit seinen drei Geschwistern nach dem Tod der Mutter in die Hände einer wahrhaft bösen Stiefmutter zu geraten. Nicht alle Kindheitsbiographien spielten sich innerhalb eines engen geographischen Umkreises ab. Hâzim Tepeyran durfte schon als Kind große Teile Anatoliens kennen lernen. Der weitere Horizont des Reiches wird in Familienschicksalen sichtbar, wenn von den osmanischen Kriegen in Thessalien, Tripolitanien und im Jemen oder der Auswanderung aus den Balkanländern die Rede ist. Äevket Süreyya Aydemir hat das untergehende Reich nur auf der Schulwandkarte intakt erlebt: „Auf den Karten, die in den Klassenzimmern hingen, war das Gebiet dieses großen Reiches hell rosa markiert. Es kam mir so groß wie die Welt vor und war mir trotzdem noch zu klein. In Afrika gehörten dazu bis zur Sahara hinunter Tripolis und die Cyrenaika sowie Ägypten und der Sudan bis nach Abessinien. Sogar das Fürstentum Tunis war rosa umrandet, was bedeutete, dass es sich dabei um eine Art Protektorat handelte. Ferner gehörten uns der Jemen und die ganze arabische Halbinsel bis zum Indischen Ozean Desgleichen lagen auf unserem Gebiet der Irak, Syrien, die Sinai- Halbinsel und schließlich ganz Anatolien bis hin zur iranischen und russischen Grenze. Neben Kreta, Zypern und den Ägäis-Inseln gehörten zu unserem Staat auch alle thrakischen Provinzen. Auf dem Balkan war die Hälfte Bulgariens mit einer Protektoratslinie als unsrig gekennzeichnet. Jenseits von Makedonien und Albanien war auch Bosnien-Herzegowina rosa eingefärbt, so dass die Reichsgrenzen bis an die Save und nach Dalmatien reichten.“ Bildungsanstalten aller Stufen – von der primitiven Stadtviertel- Mekteb bis hinauf zu ersten modernen Hochschulen nehmen in den Erzählungen einen großen Raum ein. Die Berichte über die Erfahrungen im Koran-Unterricht und an den staatlichen, zum Teil vom Militär eingerichteten Mittelschulen sind alles andere als gleichförmig. Dass der prügelnde Lehrer an der Koran-Schule eher die Regel als die Ausnahme war, belegen viele Erinnerungen. Der produktive Schriftsteller Ahmet Rasim (1864-1932) hat sein 1927 veröffentlichtes Kindheitsbuch sogar mit dem Wort Falaka („Bastonade“) überschrieben. In unserer Auswahl berichten exemplarisch Ebubekir Hâzim Tepeyran und Zekeriya Sertel von dieser Schulstrafe. Ersterer erklärt auch, welch geringen Stellenwert das Türkische im Autoren reflektieren ihre Lektüreerlebnisse. Die 1859 gegründete Zivilbeamtenschule (Mekteb-i Mülkiye), von der Ali Kemal in großer Ausführlichkeit (hier um die kaum übersetzbaren Literaturzitate verkürzt) berichtet, genoss unter Sultan Abdülhamid II. (1876-1909) besondere Förderung. Stellvertretend für die geradezu epidemische Literaturbegeisterung der vorrepublikanischen Schülergeneration kann ein Satz aus dessen Aufzeichnungen dienen: „Meine Ferienzeit verbrachte ich zu Hause, indem ich Tag und Nacht las und schrieb. Den Tercüman-i Hakikat [eine Tageszeitung mit wöchentlicher Literaturbeilage] verschlang ich geradezu jeden Tag, jede Woche.“ (Ausschnitt aus der Einleitung von Prof. Dr. Klaus Kreiser)
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